Der Schützenkönig und das Königsschießen

Schützenkette

(Aus der Broschüre des Schützenvereins zur 30-Jahr-Feier)

Seit wann es Schützenkönige gibt, kann nicht mit letzter Sicherheit festgestellt werden. Überliefert ist, dass es schon seit jeher beim Vogelschießen dem die Königswürde zufiel, der das letzte Stück des hölzernen Vogels von der Stange schoss. Ferner ist es seit alters her Brauch, dass nur einmal im Jahr das Königsschießen ausgetragen wird.

Selbstverständlich ist der Königsschuss auf den hölzernen Adler erheblich älter als der auf die Scheibe; ob er aber auf antiken oder frühgermanischen Ursprung zurückzuführen ist, konnte bisher nicht einwandfrei geklärt werden.

Die Privilegien für den Schützenkönig hatten in früherer Zeit nicht nur symbolischen Wert, sondern stellten für den Schützenkönig häufig eine Bereicherung dar. So wird in alten Aufzeichnungen wiederholt bestätigt, dass er für das Jahr seiner Amtierung Steuerfreiheit genoß oder von anderen Bürgerspflichten wie Wach- und Spanndienste befreit wurde. Diese Privilegien treffen zwar nicht immer auf den bayerischen Raum zu, aber es kann mit Sicherheit gesagt werden, dass der Schützenkönig in früheren Zeiten auch bei uns nicht nur ideelle Leistungen für die errungene Würde erhielt.

Was für ein gekröntes Haupt die Krone, stellt für den Schützenkönig die für ein Jahr verliehene Schützenkette dar. Sie darf nur zu bestimmten Anlässen, wie Fahnenweihen, Prozessionen und dergleichen getragen werden. In ihrer äußeren Form erinnert sie an die Amtsketten von Bürgermeistern oder an Ehrenketten, wie sie in den Ritterorden getragen wurden.

Wie G. Dotzauer in seinem Buch "Das Schützenwesen in Bayern" schreibt, ist es überliefert, dass sich bereits in der zweiten Hälfte des 15. Jahrhunderts die Sitte eingebürgert hat, dass der jeweilige Schützenkönig zu seiner Amtskette einen Anhänger stiftete, auf dem der Name und das Jahr des Königsschusses eingraviert war. Im 16. Jahrhundert hat sich dieser Brauch über ganz Deutschland verbreitet und in den Statuten war mitunter genau festgehalten, in welcher Form der Schützenkönig diese "Besserung" der Königskette vorzunehmen hatte. Es ist daher leicht vorstellbar, dass durch das jährliche Einfügen des neuen Königsschildes die Ketten im Laufe der Zeit sehr umfangreich wurden und ein beträchtliches Gewicht erhielten.

Es ist zu wünschen, dass das Königsschießen auch in Zukunft erhalten bleibt bei dem nicht nur der geübte Meisterschütze, sondern auch jeder "Sonntagsschütze" die Chance hat, mit einem blitzsauberen "Blattl" Schützenkönig zu werden.

 

Der Anfang des von dem bekannten und leider verstorbenen Schriftsteller Eugen Roth verfaßten Gedichtes "Der Schützenkönig" lautet wie folgt:

Könige sind rar auf Erden:
Republik wird Staat um Staat.
Aber Schützenkönig werden
möcht' der strammste Demokrat